Die Mensch-Maschine in 3D

Kraftwerks Klangräume im Kölner Palladium am 26.11.2015

Kraftwerk ist im Herbst 2015 auf Konzert-Tour. Jeder, der Musik hört, kennt Kraftwerk. Selbst diejenigen, die den Bandnamen "Kraftwerk", wie unwahrscheinlich das auch sein mag, noch nie gehört haben, kennen Kraftwerk. Sei es von Coldplays "Talk", das ein Sample von Kraftwerks "Computerliebe" enthält oder aus New Orders "Blue Monday", das bei Minute 1:36 eine Stelle aus Kraftwerks "Uranium" (36. Sekunde) verarbeitet oder auch Miley Cyrus, die sich für "Dooo it!" von Kraftwerks "Radioland" inspirieren ließ oder oder oder ...
Die Seite Who sampled führt über 50 Kraftwerk-Stücke auf, die sich in weiteren Musikstücken anderer Künstler und Künsterlerinnen wiederfinden. Einige wurden dabei mehr als 100-mal gesamplet.

Jeder kennt Kraftwerk

Kraftwerks Tour im Herbst 2015 ist seit Monaten ausverkauft ... und das, obwohl der Ticketverkauf nicht über die üblichen Ticketshops und Eventagenturen läuft und die Eintrittskarten nur personalisiert über den Ladentisch gehen.  
So haben Ende November 4.000 Menschen den Weg ins ausverkaufte Kölner Palladium gefunden, um sich zu einem ganz besonderen Konzertereignis zusammenzufinden. Fast pünktlich geht die Veranstaltung um viertel nach acht los ... keine Vorband und kein Ausschank im Innenraum während des Konzerts. Kraftwerk präsentieren sich als Gesamtkunstwerk: Spartanisch aufgereiht mit vier Synthesizern in einer Reihe, uniform gekleidet in einen Anzug der seine Farbe analog zur Illumination der Klanginstrumente ändert. Aufgestellt vor einer riesigen Leinwand, auf der während des gesamten Konzerts passende 3-D-Filme laufen, die Kraftwerk neben dem Hör- auch zum Sehereignis und -vergnügen machen. Am Eingang wurden 3-D-Brillen verteilt und so zeigt sich dem Zuschauer, der sich unter seines gleichen einmal umschaut, ein beeindruckendes Bild eines bebrillten Auditoriums, das sich der Kopfttanz-Rhytmik der Düsseldorfer Gruppe hingibt.
Ganz links steht Ralf Hütter, das einzige noch aktive 1970er Gründungsmitglied. 


Die Setlist


  1. Nummern
  2. Computerwelt
  3. It's More Fun to Compute / Heimcomputer
  4. Computerliebe
  5. Die Mensch-Maschine
  6. Spacelab
  7. Das Modell
  8. Neonlicht
  9. Autobahn
  10. Ätherwellen
  11. Geigerzähler
  12. Radioaktivität
  13. La Forme
  14. Electric Café
  15. Tour de France 1983
  16. Tour de France Étape 2
  17. Tour de France 2003
  18. Trans Europa Express
  19. Metall auf Metall
  20. Abzug
Zugabe 1:
  1. Die Roboter
Zugabe 2:
  1. Aéro Dynamik
  2. Planet der Visionen
  3. Boing Boom Tschak
  4. Techno Pop
  5. Music Non Stop    

Klangerlebnis - in Ton und Bild

Auch wenn die Liste etwas anderes vermuten lässt, im Eigentlichen ist es ein einziger Klangteppich, der das Publikum trägt. Trägt durch die Erinnerungen, die man mit den Melodien verbindet, und trägt durch die 3-D-Bilderwelt, die sich akribisch im Einklang mit den Synthesizern befindet. Wer beim Stück Trans Europa Express den heranfahrenden TEE sieht und gleichzeitg die Töne auf sich wirken lässt, der glaubt sich mitten in einem Bahnhof, auf den Gleisen stehend, auf denen der Zug gerade vorbeifährt
Der Anfang von Tour de France holt einen mitten in eine Etappe, bei der man am Rande der Fahrstrecke die schnaufende Anstrengung der Rennsportler förmlich fassen kann. 

Bild: Eigene Fotografie


Bei Kraftwerk fallen bei diesem Konzert auditive und visuelle Wahrnehmung dergestalt zusammen, dass aus einem Musikkonzert ein Gesamtereignis, ein Gesamtkunstwerk wird.

Music Non Stop

Zum Abschluss läuft Music Non Stop. Nach und nach verabschieden sich die Bandmitglieder nacheinander und einzeln von ihrem Publikum. Als Letzter geht Ralf Hütter. "Gute Nacht" sagt er in den Raum hinein, während Music Non Stop weiterläuft und noch läuft während Hütter längst von der Bühne gegangen ist. Ein sinnbildliches Ende: Kraftwerks Musik überdauert die Zeit: Sie ist unabhängig und unendlich.      
 

Another one bites the Dust - Die Todesfalle von Ira Levin

Aufführung von "Die Todesfalle" durch das Berliner Kriminal Theater in der Erkelenzer Stadthalle am 23.11.2015

Es wird gemordet auf der Erkelenzer Bühne - ohne Frage eine Wesensart von vielen spannenden Kriminalgeschichten. Aber die Art und Weise, wie Motive und Taten sich wandeln und verändert offensichtlich werden, überrascht die Zuschauer immer wieder aufs Neue.

In der Inszenierung von Wolfgang Rumpf und im Bühnenbild von Manfred Bitterlich haben die Schauspieler inhaltich und räumlich Platz, ihre Rollen zu präsentieren:

Die Story

Da ist zunächst Sydney Bruhl (Thomas Gumpert), der in die Jahre gekommene einst erfolgreiche Bühnenautor von Kriminalstücken, dem seit Längerem schon kein goßer künstlerischer Wurf mehr gelungen ist und der jetzt von dem Geld seiner Frau leben muss. Eben diese Frau, Myra (Heide Domanowski), herzkrank und recht schreckhaft, dient ihm als Sparringspartner, um die ersten Entwürfe eines neuen Stücks zu erproben. Nur um allerdings festzustellen, dass alle Motive schon mal in einem seiner Werke vorkamen.
Ein Schrank mit allen Mordwaffen, die einmal in den Erfolgsstücken des Autors wichtig waren, steht wie ein Denkmal an vergangene glorreichen Zeiten im Haus.

In genau dieser Situation erreicht Sydney das Manuskript eines einstigen Schülers, das den erfahrenen Bühnenmann direkt das Potenzial und den kommerziellen Erfolg erahnen lässt. Zunächst halb im Scherz, dann mit zunehmender Ernsthaftigkeit, äußert er, dass es doch eine gute Idee wäre, den jungen Autor des Manuskripts "um die Ecke" zu bringen und das Stück als sein eigenes herauszubringen. 
Alle Umstände scheinen günstig: Der junge Mann lebt alleine, hat niemandem bisher von dem Stück erzählt, es gibt nur zwei Manuskript-Exemplare ...
Kurzum Clifford Andersen (Felix Isenbügel), so der Name des einstigen Schülers, wird ins abgeschiedene Haus der Bruhls, unter dem Vorwand an dem Manuskript arbeiten zu wollen, gebeten.

Der Aufritt einer Hellseherin (Katrin Martin) verunsichert das Ehepaar Bruhl. Sie scheint zwar nichts von dem tödlichen Plan Sydneys zu wissen, dafür aber sagt sie schreckliche Dinge, bei denen ein Utensil aus der Mordwaffensammlung des ehemaligen Erfolgsautors eine entscheidende Rolle spielt, voraus ...

Bild: Dolch (gemeinfrei)

 
Als Clifford dann im Anwesen der Bruhls ankommt, nehmen die Dinge ihren Lauf ... aber alles verläuft anders als gedacht und geplant, sowohl anders als die Zuschauer dachten, aber auch anders als die handelnden Personen dachten ...
und am Ende gibt es eine/n lachende/n Dritte/n.

Der Autor

Ira Levin lebte von 1929 bis 2007 in New York. Aus seiner Feder stammen berühmte Roman-Filmvorlagen wie Rosemaries Baby (1967 Roman Polanski (Regie), Mia Farrow), Die Frauen von Stepford (1975: Katharine Ross, Paula Prentiss;  Neuverfilmung 2004: Nicole Kidman, Bette Midler) oder Sliver (1993: Sharon Stone, William Baldwin).
Die Todesfalle (im Original: Deathtrap) ist das am längsten am Broadway aufgeführte Theaterstück und erlebte fast 1.800 Aufführungen!

Die Inszenierung


Die Aufführung durch vier Mitglieder des Berliner Kriminaltheaters ist gelungen und unterhaltsam. Innerhalb des Bühnenbildes, das Wohnzimmer, Swimmingpool, Mordwaffen-Schrein und Arbeitszimmer in einem umfasst, bewegen sich die Figuren - zeitweise untermalt von Musik der Gruppe "Queen" --- treffenderweise wird auch "Another one bites the dust" gewählt, denn dass es nicht nach Plan läuft bzw. dass der Plan ein anderer ist, als ursprünglich gedacht, wird nach einiger Zeit deutlich ... aber wer beißt tatsächlich ins Gras?